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In Memoriam Walter Knapp


WALTER KNAPP 1944 - 2004

Einer der Großen der österreichischen Immunologie ist nicht mehr. Walter Knapp, o. Univ. Professor und Vorstand des Instituts für Immunologie der Universität Wien, ist in diesem Sommer innerhalb weniger Wochen einem Krebsleiden erlegen. Sein plötzlicher Tod bedeutet für seine Familie, seine Freunde, Schüler, Mitarbeiter, aber auch seine Fachkollegen einen tiefen, schmerzlichen Verlust. Der Verstorbene war ein Mann der klaren Sprache, fähig Probleme zu sehen, sie zu artikulieren und einer realistischen Lösung zuzuführen. Seine fachliche Kompetenz, seine Unbestechlichkeit und Charakterstärke, seine tirolerische Schlagfertigkeit und sein Witz machten ihn zu einer unverwechselbaren Persönlichkeit, die in seinem Fachbereich national wie international viel Achtung und Anerkennung gefunden hat. Walter Knapp's Tod läßt seine Fachkollegen in aller Welt tief betroffen zurück, stellt aber auch die Frage nach seinem wissenschaftlichen Vermächtnis.

Walter Knapp war Ende der 60er Jahre aus Innsbruck nach Wien gekommen und als Assistent in das neu gegründete Institut für Immunologie eingetreten. Damals herrschte unter den Immunologen in unserem Land eine besondere Aufbruchsstimmung. Historisch gesehen war in Österreich die immunologische Lehre und Forschung nach dem Abtreten der großen Persönlichkeiten Carl LANDSTEINER und Clemens PIRQET fast zum Stillstand gekommen. Nach 1945 kam es nur langsam zu einem Wiedererstarken der medizinischen Forschung und erst mit Adolf Lindner, Ordinarius am Institut für allgemeine und experimentelle Pathologie als Promotor, gelang es, die medizinische Fakultät der Universität Wien von der Wichtigkeit des Faches Immunologie zu überzeugen und den ersten Lehrstuhl für Immunologie im deutschsprachigen Raum mit dem profilierten Rheumaforscher Carl Steffen zu besetzen. Die 70er und 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts waren durch engagierte, ja enthusiastische Aktivitäten der Immunologen gekennzeichnet. Die Gründung von Diskussionsforen, die Abhaltung von Kursen in Immunologie, Vertretung des Faches Immunologie in medizinischen Hauptvorlesungen und Rigorosen, Edition internationaler Journale, Organisation von internationalen Kongressen und Symposien, schliesslich die Etablierung des Facharztes für Immunologie waren neben einer explosionsartigen Leistungssteigerung der immunologischen Forschung zu beobachten. Diese Forschungsergebnisse führten zu wichtigen Publikationen in internationalen Top-Journalen. Damit waren die Immunologen zu besonderen Leistungsträgern der Medizinischen Fakultät der Universität Wien geworden, mit Walter Knapp an vorderster Stelle.

Er war durch einen Forschungsaufenthalt in Holland zu einem anerkannten Fachmann für Immunfluoreszenztechniken geworden. Als 1975 Cesar Milstein und Georg Köhler das Konzept und die Technik der monoklonalen Antikörper publizierten, was später durch die Verleihung des Nobelpreises gewürdigt wurde, war Knapp einer der ersten, der beide Techniken zu verbinden imstande war. So konnten durch den Einsatz von Fluoreszenzfarbstoff-markierten monoklonalen Antikörpern normale Blut-, aber auch Leukämie-Zellen charakterisiert und isoliert werden. Dies war ein Markstein in der Früherkennung der Leukämien. In Zusammenarbeit mit Forschern aus den USA und europäischen Ländern konnten so in zahlreichen Workshops bestimmte Moleküle an Zellen erfaßt, eine neue Terminologie für sogenannte CD ( Cluster of Differentiation ) - Moleküle festgelegt, die funktionelle Bedeutung dieser Moleküle erarbeitet und für die Charakterisierung, Früherkennung und Therapie von Tumoren verwendet werden. Mit diesen Arbeiten wird wohl der Name Knapp immer verbunden bleiben.

Walter Knapp war langjähriger Generalsekretär und später Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie, wirkliches Mitglied der Österreichen Akademie der Wissenschaften, Präsident der Europäischen Federation Immunologischer Gesellschaften, Ehrenmitglied verschiedener Immunologischen Gesellschaften, Träger zahlreicher nationaler wie internationaler Auszeichnungen und vieles anderes mehr. Er hinterläßt ein wohl bestalltes Institut mit jungen, ambitionierten Forschern, von denen etliche habilitiert und international anerkannt sind. Es ist zu hoffen, daß sie auf Grund ihrer Leistungen von der neuen Medizinischen Universität anerkannt, trotz der angespannten finanziellen Lage gefördert und in den neuen Strukturen ihren entsprechenden Platz finden werden. Walter Knapp allerdings wird uns sehr fehlen, als vorzüglicher Wissenschaftler, als treuer, aber immer kritischer Freund, mit seinen klaren Zielvorstellungen, seinem Impetus und seiner ansteckenden Fröhlichkeit.

Dietrich Kraft
 



Dear colleagues,

The year 2004 is clouded by the death of Professor Walter Knapp. Walter Knapp was one of the major figures in immunology in Austria. I would like to express on behalf of the Austrian Society for Allergology and Immunology our appreciation for his contribution to the field of immunology and to our Society.

Walter Knapp served our Society as secretary (1976-1982), board member (1980-1982, 1998-2000) and finally as president (1988-1992). During his secretariat the Society gained an international reputation, and during his presidency major strides were made to establish the specialty of immunology in Austria. Furthermore, in 1995 as congress chairman, he organised the Joint Annual Meeting of the German and Austrian Immunology Societies, an unforgettable event for everyone who participated. Because of the scientific quality and the warm atmosphere, it appeared to many participants that the quality and the bridging style of the meeting should be transferred to the European level, to the conferences of the European Federation of Immunological Societies, EFIS. It was this same year that Walter Knapp was elected president of EFIS and it was his main intention to harmonize European immunological research and to set networks which would make European immunology more competitive internationally.

Walter Knapp was always ahead of his time. With his deep insights into immunology and boundless determination to follow a problem to its conclusion, he brilliantly combined new results and consequently foresaw key developments and technologies in immunology earlier than others in the field. However, this did not make his life easy; he was never trendy but despite this was at an uncertain leading edge in the development of immunology. For instance, he studied innate immunity at a time when most immunologists doubted the relevance of this "primitive" ancient branch of immunity. He brought dendritic cells to Austria, which became one of the fields of immunology that Austria is most famous for. In the early seventies, he invented fluorescence technologies, which 30 years later resulted in the improved, rapid and cost-effective Luminex technology used in many bioassays. Furthermore, he was the first in Austria who recognized the potential of monoclonal antibodies for biomedical research, diagnosis and therapy. However, he also recognized the need for rules to control this technology and became a key figure in the establishment of the CD nomenclature.

Walter Knapp would enjoy seeing the development of the Society and, in particular, attending the annual meeting 2004 held from December 2-4 in Vienna. This meeting is the biggest ever held yet and mirrors the continuous growth of our Society. There will be 17 symposium lectures and 146 short presentations to be presented by young scientists in 38 oral communications and 108 posters. We dedicated to him the symposium "Immune cell regulation", his favourite topic in immunology. Although he will not be physically with us, his spirit will remain indispensably connected to our Society and scientific community.

Hannes Stockinger


 




 
 


Wir danken den unterstützenden Mitgliedern:


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