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Aktivitäten zum Tag der Immunolgie in Österreich am 29.04.2005
 
 
Pressetexte


a) Immunologie und rheumatische Erkrankungen

Viele entzündlich-rheumatische Erkrankungen, insbesondere die schwersten und zum Teil tödlichen unter diesen Krankheiten, sind durch Autoimmunität gekennzeichnet, also durch eine Umlenkung der Abwehrvorgänge gegen körpereigene Strukturen. Dabei kommt es etwa zu Gelenkentzündungen und -zerstörungen oder zu schweren Schäden an inneren Organen oder der Haut. Bei diesen Vorgängen sind viele Zellen und Botenstoffe des Immunsystems beteiligt. Rheumatologisch-immunologische Forschung an der Medizinischen Universität in Wien, Innsbruck und Graz hat im letzten Jahrzehnt vielfältige neue Therapien entwickelt, die mit diesen Ereignissen interferieren und damit das Krankheitsgeschehen unter Kontrolle bringen können.

Kontaktadressen:
josef.smolen@meduniwien.ac.at
michael.schirmer@uibk.ac.at
manfred.herold@uibk.ac.at

b) Allergien

" Vorbeugung und Therapie mit neuen Impfstoffen

Mit Hilfe der noch jungen Technik der genetischen Immunisierung werden
neue Impfstoffe zur Prävention und Therapie von Typ I Allergien im
Rahmen eines FWF-Schwerpunktes "Allergie" entwickelt. Im Tiermodell konnte an der Universität Salzburg durch Impfungen mit Plasmid DNA sowohl Schutz vor allergischen
Veränderungen der Atemwege als auch eine beachtliche Linderung bereits
bestehender Symptome gezeigt werden. Genetische Immunisierung könnte in
Zukunft die klassische Methode der spezifischen Immuntherapie ergänzen
bzw. teilweise ersetzen.

Kontaktadressen:
Richard.Weiss@sbg.ac.at
Josef.Thalhamer@sbg.ac.at

" Verminderung der Magensäure führt zu Allergien

Eine Verminderung der Magensäure kann zur Bildung von IgE-Immunglobulinen gegen Nahrungsproteine führen und Allergie auslösen. Dies belegen aktuelle Studien aus dem Team um Fr. Prof. Erika Jensen-Jarolim am Institut für Pathophysiologie, Medizinische Universität Wien. Eine positive Anwendung dieses Mechanismus zeichnet sich bei Tumorerkrankungen ab. Die Arbeitsgruppe verfolgt das Ziel, IgE Antikörper aktiv gegen Proteine an Tumoren zu richten um eine - in diesem Fall erwünschte - Immunabwehr zu erzielen. Tatsächlich konnte in Mäusen durch Fütterungen mit dem Brustkrebsprotein Her-2/neu unter gleichzeitiger Säureunterdrückung bereits IgE gegen Tumorzellen induziert werden. Ob diese Schluckimpfung das Überleben brustkrebserkrankter Mäuse verlängern kann, wird zur Zeit überprüft.

Kontaktadresse:
erika.jensen-jarolim@meduniwien.ac.at

c) Tumorimpfungen bei Kindern: St. Anna Kinderspital

Während der vergangenen Jahre wurde das Immunsystem zu einem
Hoffnungsträger in der Krebsbehandlung. Im St. Anna
Kinderkrebsforschungsinstitut beschäftigen sich das Labor für Tumor
Immunologie und eine ausgegliederte Biotechnologiefirma, die I-Med
Krebsimmuntherapie GmbH, mit der Entwicklung neuer immunologischer Ansätze
zur Behandlung von Krebserkrankungen. Derzeit führen diese Einrichtungen
eine Reihe von Tumorimpfstudien bei Kindern und Erwachsenen zur Behandlung
verschiedener Krebserkrankungen durch. Dabei wird das Immunsystem des
Patienten in die Lage versetzt, Krebszellen zu erkennen und zu zerstören.
Das soll zu einer Kontrolle des Tumorwachstums führen.

Kontaktadresse:
thomas.felzmann@ccri.at

d) Angeborene Abwehrschwäche

Die klinische Immunologie ist heute ein unverzichtbarer Bestandteil der modernen Medizin. Am Beispiel der angeborenen Störungen der körpereigenen Abwehr (primäre Immundefekte) läßt sich ihre Entwicklung gut dokumentieren. Seit der ersten Behandlung einer Agammglobulinämie Anfang der 50er-Jahre des vorigen Jahrhunderts ist die Zahl der diagnostizierbaren unterschiedlichen angeborenen Immundefekte auf weit über 100 angestiegen. Die Fortschritte in der Behandlung schwerer Immundefekte haben bis zu einer über 90%igen Erfolgsrate der Knochenmarktransplantation (Stammzelltherapie) geführt. Fortschritte in der Diagnostik ermöglichen es, auch selektive oder partielle Immundefekte, die ohne Behandlung zu einer Organschädigung führen können, zu erkennen und zu behandeln. Die aus der Erforschung der primären Immundefekte resultierenden Erkenntnisse haben auch wesentlich zu unserem Verständnis der körpereigenen Abwehr beigetragen.

Kontaktadressen:
hermann.wolf@ITK.at: Die Immunologische Tagesklinik veranstaltet am 29.4.2005 anläßlich des Tages der Immunologie einen Tag der Offenen Tür für Interessierte Laien mit einer Überblickspräsentation über die Fortschritte auf dem Gebiet der primären Immundefekte. Voranmeldungen erbeten: Tel 01-403 14 50.

andreas.heitger@stanna.at
elisabeth.foerster-waldl@meduniwien.ac.at

e) Immunschwäche im Alter

Die Funktion des Immunsystems nimmt im Alter ab. Folgen sind das gehäufte Auftreten und der oft schwere Verlauf von Erkrankungen, im Besonderen Infektionskrankheiten und Tumorerkrankungen, sowie schlechtes Ansprechen auf Impfungen. Dieses Nachlassen der Immunfunktion im Alter ist primär auf einen Funktionsverlust der T Lymphozyten zurückzuführen. T Lymphozyten sind Immunzellen, die für spezifische Abwehrfunktionen zuständig sind. So können bestimmte T Zellen z.B. virusinfizierte Zellen oder Tumorzellen erkennen und eliminieren. Das Nachlassen der T Zellfunktion im Alter geht auf verschiedene Faktoren zurück. Das Reifungsorgan für T Lymphozyten, der Thymus (Briesdrüse), bildet sich zurück. Es können dadurch keine neu gereiften T Zellen in die Peripherie nachgeliefert werden. Dies führt dazu, dass sich das in der Jugend vorgegebene immunologische Repertoire im Alter ändert. Studien am Institut für Biomedizinische Alternsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Innsbruck haben gezeigt, dass die Zahl der naiven T Zellen abnimmt, die der Gedächtnis- und Effektor T Zellen hingegen zunimmt, und neue Subpopulationen entstehen. Während manche T Zell-Spezifitäten (wie z.B. gegen persistierende Viren) vermehrt auftreten, sind andere (wie z.B. gegen Influenza) vermindert. T Lymphozyten reagieren zudem im Alter auf Signale von außen schlechter als in der Jugend.

Kontaktadresse:
beatrix.grubeck@oeaw.ac.at

f) Neue Impfungen

" Malaria

Malaria tötet weltweit jährlich mehr Menschen als jede andere
meldepflichtige Krankheit mit Ausnahme der Tuberkulose. Trotz
jahrzehntelanger intensiver Forschungsarbeit existiert bis jetzt keine
Schutzimpfung. Im Rahmen eines Hertha-Firnberg Stipendiums des FWF wurde an der Universität Salzburg ein Impfstoff entwickelt, der im Tiermodell gegen eine Infektion mit
Malaria-Erregern kompletten Schutz erzielt. Das Prinzip des Impfstoffes
besteht darin, lediglich die genetische Information in Form von
Plasmid-DNA zu verabreichen. Das Vakzin wird daraufhin vom Organismus
selbst produziert und aktiviert das Immunsystem.

Kontaktadressen:
Sandra.Scheiblhofer@sbg.ac.at,
Josef.Thalhamer@sbg.ac.at

" Papillomviren

Impfungen gegen Infektionskrankheiten gehoeren zu den groessten
Erfolgsgeschichten der Medizin, und haben zum Verschwinden bzw. zur
Reduktion von gefuerchteten Krankheiten wie Pocken, Kinderlaehmung,
Keuchhusten, Tetanus u.a.m. gefuehrt haben.
In ein bis 2 Jahren wird ein neuer Impfstoffe gegen humane Papillomviren
(Warzenviren, HPV) zugelassen werden (Merck MSD, GlaxoSmithKline GSK).
Bestimmte Papillomviren werden durch Geschlechtsverkehr uebertragen und
koennen Genitalwarzen oder auch Gebaermutterhalskrebs verursachen. Der
neue Impfstoff ist in der Lage, am Gebaermutterhals etwa drei Viertel der
HPV Infektionen und die Krebs Vorstufen (und vermutlich auch die
Karzinome)zu verhindern, wenn Maedchen bzw. junge Frauen rechtzeitig vor
dem ersten Sexualverkehr geimpft werden. Damit werden eingreifenden
Behandlungen (Konisation) der im Krebsabstrich erkannten Laesionen
zumindest stark reduziert werden.
Dieser Impfstoff wird vor allem fuer Frauen einen Durchbruch in der
Gesundheitsvorsorge bringen.

Kontaktadresse:
reinhard.kirnbauer@meduniwien.ac.at

g) Monoklonale Antikörper: ein unverzichtbares Werkzeug für Diagnostik und Therapie von Erkrankung

Antikörper sind dazu imstande Mikroorganismen (Pilze, Bakterien, Viren), welche in den menschlichen Körper eindringen möchten, zu binden und zu neutralisieren. Diese hochmolekularen Einweißkörper werden von weißen Blutkörperchen (B-Lymphozyten) in das Blut abgegeben, wo sie in großer Zahl vorkommen. Ein Milliliter Blut enthält etwa 1016 Antikörpermoleküle. Charakteristisch für Antikörper ist ihre hohe Spezifität (ein Antikörper - eine Zielstruktur) und Affinität (Bindungsstärke), mit welcher sie an Ihre Zielstrukturen, die Antigene, binden. Zunächst als Antitoxine (1890, Emil v. Behring, Shibasaburo Kitasato, Berlin) beschrieben, hat man bereits vor 30 Jahren gelernt, die ersten monoklonalen (monospezifischen) Antikörper in großem Stile herzustellen (1975, Cesar Milstein, Cambridge). Monoklonale Antikörper sind heute ein unverzichtbares Werkzeug für die Diagnostik und in zunehmendem Maße auch für die Therapie von Erkrankungen. Das Institut für Immunologie der Medizinischen Universität Wien ist weltweit eines der ersten Institute, das sich mit der Technologie der Herstellung von monoklonalen Antikörper beschäftigt hat und trägt durch seine Aktivitäten auf diesem Gebiet wesentlich zur Charakterisierung und Standardisierung von Oberflächenmerkmalen von Zellen des Immunsystems bei.

Kontaktadresse: gerhard.zlabinger@meduniwien.ac.at

h) Wenn das Immunsystem Amok läuft

Paraneoplastische neurologische Syndrome (PNS) sind seltene Erkrankungen, deren Ursache heute im Wesentlichen aufgeklärt ist: eine Abwehrreaktion des körpereigenen Immunsystems gegen eine - zu diesem Zeitpunkt häufig noch unerkannte - Krebserkrankung wird fehlgeleitet und richtet sich gegen das Nervensystem, wodurch zum Teil dramatische Symptome (Lähmungen, Sehstörungen) hervorgerufen werden. Die Diagnose von PNS kann mit einfachen Untersuchungen im Serum erfolgen und ermöglicht eine frühzeitige Erkennung und somit auch Behandlung des Tumors. Das neuroimmunologische Labor des Klinischen Instituts für Neurologie der Medizinischen Universität Wien am AKH ist das einzige Labor in Österreich, wo PNS diagnostiziert und schwerpunktmäßig erforscht werden.

Kontaktadresse:
ursula.unterberger@medunwien.ac.at: Das Klinische Institut für Neurologie veranstaltet am 29.4.2005 anlässlich des Tages der Immunologie eine Führung durch das Institut. Voranmeldungen erbeten: Tel. 01/40400-5501.

i) Novartis betreibt immunologische Forschung

Autoimmunerkrankungen und chronisch entzündliche Erkrankungen (z. B. MS, SLE, Diabetes Typ I, Darmenzündungen) bedürfen einer hohen medizinischen Versorgung. Da diese Erkrankungen nicht heilbar sind, benötigen die Patienten eine lebenslange Behandlung. Aus diesem Grund ist die Forschung an innovativen Medikamenten unbedingt erforderlich.
Autoimmunerkrankungen und chronisch entzündlichen Erkrankungen liegen ähnliche immunopathologische Mechanismen zugrunde, und dies schafft Möglichkeiten für die Schaffung von Synergien. Mit neuen Medikamenten, die in die gemeinsamen Pathomechanismen der Erkrankungen eingreifen, könnten verschiedenste Krankheiten behandelt werden. Die Forschung im Bereich der genannten Erkrankungen ist für große Pharmafirmen daher äußerst attraktiv. Ein Beispiel für die Ausnutzung von Synergieeffekten ist der Anti Tumor Nekrosis Faktor Antikörper, welcher bei der Rheumatoiden Arthritis, Psoriasis und anderen Erkrankungen wirkt.

Kontaktadresse:
jan.devries@novartis.com




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