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a) Immunologie und rheumatische Erkrankungen
Viele entzündlich-rheumatische Erkrankungen, insbesondere die schwersten
und zum Teil tödlichen unter diesen Krankheiten, sind durch Autoimmunität
gekennzeichnet, also durch eine Umlenkung der Abwehrvorgänge gegen
körpereigene Strukturen. Dabei kommt es etwa zu Gelenkentzündungen
und -zerstörungen oder zu schweren Schäden an inneren Organen
oder der Haut. Bei diesen Vorgängen sind viele Zellen und Botenstoffe
des Immunsystems beteiligt. Rheumatologisch-immunologische Forschung an
der Medizinischen Universität in Wien, Innsbruck und Graz hat im
letzten Jahrzehnt vielfältige neue Therapien entwickelt, die mit
diesen Ereignissen interferieren und damit das Krankheitsgeschehen unter
Kontrolle bringen können.
Kontaktadressen:
josef.smolen@meduniwien.ac.at
michael.schirmer@uibk.ac.at
manfred.herold@uibk.ac.at
b) Allergien
" Vorbeugung und Therapie mit neuen Impfstoffen
Mit Hilfe der noch jungen Technik der genetischen Immunisierung werden
neue Impfstoffe zur Prävention und Therapie von Typ I Allergien im
Rahmen eines FWF-Schwerpunktes "Allergie" entwickelt. Im Tiermodell
konnte an der Universität Salzburg durch Impfungen mit Plasmid DNA
sowohl Schutz vor allergischen
Veränderungen der Atemwege als auch eine beachtliche Linderung bereits
bestehender Symptome gezeigt werden. Genetische Immunisierung könnte
in
Zukunft die klassische Methode der spezifischen Immuntherapie ergänzen
bzw. teilweise ersetzen.
Kontaktadressen:
Richard.Weiss@sbg.ac.at
Josef.Thalhamer@sbg.ac.at
" Verminderung der Magensäure führt zu Allergien
Eine Verminderung der Magensäure kann zur Bildung von IgE-Immunglobulinen
gegen Nahrungsproteine führen und Allergie auslösen. Dies belegen
aktuelle Studien aus dem Team um Fr. Prof. Erika Jensen-Jarolim am Institut
für Pathophysiologie, Medizinische Universität Wien. Eine positive
Anwendung dieses Mechanismus zeichnet sich bei Tumorerkrankungen ab. Die
Arbeitsgruppe verfolgt das Ziel, IgE Antikörper aktiv gegen Proteine
an Tumoren zu richten um eine - in diesem Fall erwünschte - Immunabwehr
zu erzielen. Tatsächlich konnte in Mäusen durch Fütterungen
mit dem Brustkrebsprotein Her-2/neu unter gleichzeitiger Säureunterdrückung
bereits IgE gegen Tumorzellen induziert werden. Ob diese Schluckimpfung
das Überleben brustkrebserkrankter Mäuse verlängern kann,
wird zur Zeit überprüft.
Kontaktadresse:
erika.jensen-jarolim@meduniwien.ac.at
c) Tumorimpfungen bei Kindern: St. Anna Kinderspital
Während der vergangenen Jahre wurde das Immunsystem zu einem
Hoffnungsträger in der Krebsbehandlung. Im St. Anna
Kinderkrebsforschungsinstitut beschäftigen sich das Labor für
Tumor
Immunologie und eine ausgegliederte Biotechnologiefirma, die I-Med
Krebsimmuntherapie GmbH, mit der Entwicklung neuer immunologischer Ansätze
zur Behandlung von Krebserkrankungen. Derzeit führen diese Einrichtungen
eine Reihe von Tumorimpfstudien bei Kindern und Erwachsenen zur Behandlung
verschiedener Krebserkrankungen durch. Dabei wird das Immunsystem des
Patienten in die Lage versetzt, Krebszellen zu erkennen und zu zerstören.
Das soll zu einer Kontrolle des Tumorwachstums führen.
Kontaktadresse:
thomas.felzmann@ccri.at 
d) Angeborene Abwehrschwäche
Die klinische Immunologie ist heute ein unverzichtbarer Bestandteil der
modernen Medizin. Am Beispiel der angeborenen Störungen der körpereigenen
Abwehr (primäre Immundefekte) läßt sich ihre Entwicklung
gut dokumentieren. Seit der ersten Behandlung einer Agammglobulinämie
Anfang der 50er-Jahre des vorigen Jahrhunderts ist die Zahl der diagnostizierbaren
unterschiedlichen angeborenen Immundefekte auf weit über 100 angestiegen.
Die Fortschritte in der Behandlung schwerer Immundefekte haben bis zu
einer über 90%igen Erfolgsrate der Knochenmarktransplantation (Stammzelltherapie)
geführt. Fortschritte in der Diagnostik ermöglichen es, auch
selektive oder partielle Immundefekte, die ohne Behandlung zu einer Organschädigung
führen können, zu erkennen und zu behandeln. Die aus der Erforschung
der primären Immundefekte resultierenden Erkenntnisse haben auch
wesentlich zu unserem Verständnis der körpereigenen Abwehr beigetragen.
Kontaktadressen:
hermann.wolf@ITK.at: Die Immunologische
Tagesklinik veranstaltet am 29.4.2005 anläßlich des Tages der
Immunologie einen Tag der Offenen Tür für Interessierte Laien
mit einer Überblickspräsentation über die Fortschritte
auf dem Gebiet der primären Immundefekte. Voranmeldungen erbeten:
Tel 01-403 14 50.
andreas.heitger@stanna.at
elisabeth.foerster-waldl@meduniwien.ac.at
e) Immunschwäche im Alter
Die Funktion des Immunsystems nimmt im Alter ab. Folgen sind das gehäufte
Auftreten und der oft schwere Verlauf von Erkrankungen, im Besonderen
Infektionskrankheiten und Tumorerkrankungen, sowie schlechtes Ansprechen
auf Impfungen. Dieses Nachlassen der Immunfunktion im Alter ist primär
auf einen Funktionsverlust der T Lymphozyten zurückzuführen.
T Lymphozyten sind Immunzellen, die für spezifische Abwehrfunktionen
zuständig sind. So können bestimmte T Zellen z.B. virusinfizierte
Zellen oder Tumorzellen erkennen und eliminieren. Das Nachlassen der T
Zellfunktion im Alter geht auf verschiedene Faktoren zurück. Das
Reifungsorgan für T Lymphozyten, der Thymus (Briesdrüse), bildet
sich zurück. Es können dadurch keine neu gereiften T Zellen
in die Peripherie nachgeliefert werden. Dies führt dazu, dass sich
das in der Jugend vorgegebene immunologische Repertoire im Alter ändert.
Studien am Institut für Biomedizinische Alternsforschung der Österreichischen
Akademie der Wissenschaften in Innsbruck haben gezeigt, dass die Zahl
der naiven T Zellen abnimmt, die der Gedächtnis- und Effektor T Zellen
hingegen zunimmt, und neue Subpopulationen entstehen. Während manche
T Zell-Spezifitäten (wie z.B. gegen persistierende Viren) vermehrt
auftreten, sind andere (wie z.B. gegen Influenza) vermindert. T Lymphozyten
reagieren zudem im Alter auf Signale von außen schlechter als in
der Jugend.
Kontaktadresse:
beatrix.grubeck@oeaw.ac.at
f) Neue Impfungen
" Malaria
Malaria tötet weltweit jährlich mehr Menschen als jede andere
meldepflichtige Krankheit mit Ausnahme der Tuberkulose. Trotz
jahrzehntelanger intensiver Forschungsarbeit existiert bis jetzt keine
Schutzimpfung. Im Rahmen eines Hertha-Firnberg Stipendiums des FWF wurde
an der Universität Salzburg ein Impfstoff entwickelt, der im Tiermodell
gegen eine Infektion mit
Malaria-Erregern kompletten Schutz erzielt. Das Prinzip des Impfstoffes
besteht darin, lediglich die genetische Information in Form von
Plasmid-DNA zu verabreichen. Das Vakzin wird daraufhin vom Organismus
selbst produziert und aktiviert das Immunsystem.
Kontaktadressen:
Sandra.Scheiblhofer@sbg.ac.at,
Josef.Thalhamer@sbg.ac.at
" Papillomviren
Impfungen gegen Infektionskrankheiten gehoeren zu den groessten
Erfolgsgeschichten der Medizin, und haben zum Verschwinden bzw. zur
Reduktion von gefuerchteten Krankheiten wie Pocken, Kinderlaehmung,
Keuchhusten, Tetanus u.a.m. gefuehrt haben.
In ein bis 2 Jahren wird ein neuer Impfstoffe gegen humane Papillomviren
(Warzenviren, HPV) zugelassen werden (Merck MSD, GlaxoSmithKline GSK).
Bestimmte Papillomviren werden durch Geschlechtsverkehr uebertragen und
koennen Genitalwarzen oder auch Gebaermutterhalskrebs verursachen. Der
neue Impfstoff ist in der Lage, am Gebaermutterhals etwa drei Viertel
der
HPV Infektionen und die Krebs Vorstufen (und vermutlich auch die
Karzinome)zu verhindern, wenn Maedchen bzw. junge Frauen rechtzeitig vor
dem ersten Sexualverkehr geimpft werden. Damit werden eingreifenden
Behandlungen (Konisation) der im Krebsabstrich erkannten Laesionen
zumindest stark reduziert werden.
Dieser Impfstoff wird vor allem fuer Frauen einen Durchbruch in der
Gesundheitsvorsorge bringen.
Kontaktadresse:
reinhard.kirnbauer@meduniwien.ac.at
g) Monoklonale Antikörper: ein unverzichtbares
Werkzeug für Diagnostik und Therapie von Erkrankung
Antikörper sind dazu imstande Mikroorganismen (Pilze, Bakterien,
Viren), welche in den menschlichen Körper eindringen möchten,
zu binden und zu neutralisieren. Diese hochmolekularen Einweißkörper
werden von weißen Blutkörperchen (B-Lymphozyten) in das Blut
abgegeben, wo sie in großer Zahl vorkommen. Ein Milliliter Blut
enthält etwa 1016 Antikörpermoleküle. Charakteristisch
für Antikörper ist ihre hohe Spezifität (ein Antikörper
- eine Zielstruktur) und Affinität (Bindungsstärke), mit welcher
sie an Ihre Zielstrukturen, die Antigene, binden. Zunächst als Antitoxine
(1890, Emil v. Behring, Shibasaburo Kitasato, Berlin) beschrieben, hat
man bereits vor 30 Jahren gelernt, die ersten monoklonalen (monospezifischen)
Antikörper in großem Stile herzustellen (1975, Cesar Milstein,
Cambridge). Monoklonale Antikörper sind heute ein unverzichtbares
Werkzeug für die Diagnostik und in zunehmendem Maße auch für
die Therapie von Erkrankungen. Das Institut für Immunologie der Medizinischen
Universität Wien ist weltweit eines der ersten Institute, das sich
mit der Technologie der Herstellung von monoklonalen Antikörper beschäftigt
hat und trägt durch seine Aktivitäten auf diesem Gebiet wesentlich
zur Charakterisierung und Standardisierung von Oberflächenmerkmalen
von Zellen des Immunsystems bei.
Kontaktadresse: gerhard.zlabinger@meduniwien.ac.at
h) Wenn das Immunsystem Amok läuft
Paraneoplastische neurologische Syndrome (PNS) sind seltene Erkrankungen,
deren Ursache heute im Wesentlichen aufgeklärt ist: eine Abwehrreaktion
des körpereigenen Immunsystems gegen eine - zu diesem Zeitpunkt häufig
noch unerkannte - Krebserkrankung wird fehlgeleitet und richtet sich gegen
das Nervensystem, wodurch zum Teil dramatische Symptome (Lähmungen,
Sehstörungen) hervorgerufen werden. Die Diagnose von PNS kann mit
einfachen Untersuchungen im Serum erfolgen und ermöglicht eine frühzeitige
Erkennung und somit auch Behandlung des Tumors. Das neuroimmunologische
Labor des Klinischen Instituts für Neurologie der Medizinischen Universität
Wien am AKH ist das einzige Labor in Österreich, wo PNS diagnostiziert
und schwerpunktmäßig erforscht werden.
Kontaktadresse:
ursula.unterberger@medunwien.ac.at:
Das Klinische Institut für Neurologie veranstaltet am 29.4.2005 anlässlich
des Tages der Immunologie eine Führung durch das Institut. Voranmeldungen
erbeten: Tel. 01/40400-5501.
i) Novartis betreibt immunologische Forschung
Autoimmunerkrankungen und chronisch entzündliche Erkrankungen (z.
B. MS, SLE, Diabetes Typ I, Darmenzündungen) bedürfen einer
hohen medizinischen Versorgung. Da diese Erkrankungen nicht heilbar sind,
benötigen die Patienten eine lebenslange Behandlung. Aus diesem Grund
ist die Forschung an innovativen Medikamenten unbedingt erforderlich.
Autoimmunerkrankungen und chronisch entzündlichen Erkrankungen liegen
ähnliche immunopathologische Mechanismen zugrunde, und dies schafft
Möglichkeiten für die Schaffung von Synergien. Mit neuen Medikamenten,
die in die gemeinsamen Pathomechanismen der Erkrankungen eingreifen, könnten
verschiedenste Krankheiten behandelt werden. Die Forschung im Bereich
der genannten Erkrankungen ist für große Pharmafirmen daher
äußerst attraktiv. Ein Beispiel für die Ausnutzung von
Synergieeffekten ist der Anti Tumor Nekrosis Faktor Antikörper, welcher
bei der Rheumatoiden Arthritis, Psoriasis und anderen Erkrankungen wirkt.
Kontaktadresse:
jan.devries@novartis.com

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